zurück

Weimarer Sommerkurse 2003

Das Programm im Überblick

Im Mittelpunkt der Weimarer Sommerkurse 2003 steht die (mögliche) Funktion des Kulturerbes als Klammer des europäischen Einigungsprozesses sowie als Motor einer toleranten globalen Weltordnung. Es finden vier parallele Kurse statt; dabei wird erstmals auch ein Kurs in englischer Sprache angeboten, um den potentiellen Teilnehmerkreis zu erweitern. Folgende inhaltlichen Schwerpunkten sind vorgesehen:

Kurs A: "Der wahre Geist der Humanität" (Herder)
Die Diskurse um Humanität und Toleranz in der Weimarer Klassik und ihre Auswirkung auf die gegenwärtige europäische Entwicklung

Begriffe wie Toleranz und Humanität wurden in den philosophischen Debatten, die um 1800 in Weimar/Jena geführt wurden, entscheidend geprägt. Welche Bedeutung und welchen Inhalt haben diese Begriffe jedoch in unserer Zeit? Was können sie dazu beitragen, kulturell-religiöse Unterschiede nicht als einen "Kampf der Kulturen", sondern vielmehr als eine produktive Auseinandersetzung über zukunftsfähige Lebensentwürfe in dieser einen, aber sehr differenzierten Welt zu verstehen?
Der Kurs wird vor diesem Hintergrund in die Grundlagen der historischen Debatten einführen. Im Herderjahr 2003 (200. Todestag) werden dabei die kultur-philosophischen Ansätze Johann Gottfried Herders eine zentrale Rolle spielen.

Ablaufplan für den Kurs A zum herunterladen.

 

Kurs B: Der Islam und die „European Civilisation“
Beiträge zum Diskurs um die kulturelle Identität Europas

Seit Huntingtons Thesen vom Zusammenprall der Zivilisationen wird der Kulturbegriff wieder verstärkt diskutiert: Im Mittelpunkt seiner Theorien steht ein historisch, wirtschaftlich, religiös und sozial begründeter Antagonismus zwischen von ihm identifizierten „Civilisations“. Die Ideen von Johann Gottfried Herder – insbesondere sein Kulturbegriff - lassen sich implizit in den Debatten darüber heraus hören. Ausgehend vom Herderschen Kulturbegriff soll im Kurs B nach den Bedingungen für eine europäische kulturelle Identität gefragt und diskutiert werden, welche Rolle der europäische Islam in diesem Kontext spielt bzw. spielen kann.
Im Rahmen des Kurse könnten u.a. folgende Fragen aufgegriffen werden:
Gibt es überhaupt einen explizit europäischen Islam (Euro-Islam)? Kann man in einer Identität „Muslim“ und „Europäer“ verbinden? Wie verhalten sich europäischer Liberalismus und Islam zueinander? Ist die islamische Population in Europa einfach zu groß für die vorhandenen Integrationsmodelle? Was meint das Modell der „Vernetzten Kulturen“? Gibt es Ansätze in der europäischen, insbesondere deutschen Geistesgeschichte, die zur Lösung der anstehenden Fragen beitragen können?


Ablaufplan für den Kurs B zum herunterladen.

Kurs C: Die Kunst als Mittlerin eines zukunftsfähigen Europa

Künstlerische Leistungen und ästhetische Konzepte haben (angefangen von der griechisch-römischen Antike über Gotik und Renaissance bis hin zum Bauhaus und der europäischen Moderne) den gemeinsamen Kulturraum Europa ganz wesentlich konstituiert. Die in Weimar entwickelten ästhetischen Ansätze (von der Klassik bis hin zum Bauhaus) haben dabei bis in die Gegenwart eine wichtige Rolle gespielt.
Der Kurs wird vor diesem Hintergrund und an Hand konkreter Beispiele die (mögliche) Rolle der Kunst im europäischen Einigungsprozess heraus arbeiten. Gleichzeitig wird der Kurs danach fragen, welchen Beitrag die Kunst für eine nachhaltige Entwicklung ("Sustainable Development") in Europa und darüber hinaus zu leisten vermag. Dabei werden auch KünstlerInnen mit ihren aktuellen Werken zu Wort kommen.

Ablaufplan für den Kurs C zum herunterladen.